Wśród Naszych - Impuls

In memoriam Ronald Steckel

 


Der Dom Kultury nannte sich vor hundert Jahren „Oberlausitzer
Gedenkhalle” und stellte mit der Stadthalle den Mittelpunkt des
Kulturlebens in Görlitz dar. Ebenso war dort zu diesem Zeitpunkt
das Kaiser Wilhelm-Museum beheimatet, das man als Vorläufer
des heutigen Museums im Kaisertrutz auf der deutschen Seite
sehen kann, das 1932 eröffnet wurde, da Görlitz während der 20
er Jahre – einmalig in seiner Kulturgeschichte – zu einer
überregional bekannten Kunstmetropole und die Stadt für sein
außergewöhnlich hohes geistiges Niveau gepriesen wurde.
Joseph Anton Schneiderfranken stellte vom 10. August bis 6.
September 1919 in seiner einzigen Einzelausstellung in Görlitz
griechische und deutsche Landschaften, sowie Blumenstillleben
aus. Im Zuge dieser Ausstellung in der Gedenkhalle und „da er
Maler war und eine universelle Bildung und Überlegenheit hatte,
ergab es sich, dass der Kunstverein für die Lausitz ihn bat, den
Vorsitz zu übernehmen.”
Dies bildete die entscheidende Voraussetzung für die Bildung der
Künstlervereinigung „Jakob-Böhme-Bund”, die im Juli 1920 von
Joseph Schneiderfranken und Fritz Neumann Hegenberg
gegründet wurde. Dies war eine historische Künstlerkooperation,
die bewusst mystischem Erleben Ausdruck verleihen wollte,
unabhängig von expressionistischen oder anderen zeit-
genössischen Kunstbewegungen und arbeitete neben dem Gebiet
der Bildenden Kunst in allen Formen der künstlerischen
Ausdrucksmöglichkeit. Ziel des Bundes war und ist es, die
Beziehungen zwischen Kunst und Mystik zu erkennen und den
lebendigen Geist des Visionärs und Metaphysikers Jacob Böhme
in diese Zeit wirken zu lassen, um die Grundlagen für eine Kunst zu
schaffen, die Bô Yin Râ übergreifend als „Sakralkunst“
bezeichnete. Am 23. Mai 1921 wurde in der Stadthalle Görlitz die
erste Ausstellung des Jakob-Böhme-Bundes eröffnet. Der
Bilderzyklus „Welten” von Bô Yin Râ wurde dabei erstmals der
Öffentlichkeit vorgestellt.
Künstlerische Freiheit und Offenheit, frei von den Zwängen eines
festen Manifests, prägen sowohl den historischen als auch den
heutigen Jacob Böhme Bund. Die präsentierten künstlerischen
Arbeiten des im Juli 2020 wiederbegründeten Jacob Böhme
Bundes rücken das Kosmische als Rahmen des menschlichen
Daseins in den Mittelpunkt oder beleuchten das Verhältnis des
Menschen zu Gott. Alle gezeigten Künstler stehen in einer
persönlichen Beziehung zu den Schriften von Bô Yin Râ und Jacob
Böhme. Nachdem wir von 2020 bis 2024 an der geschichtlichen
Dokumentation der historischen Künstlergruppe (Magische Blätter)
gearbeitet haben, freuen wir uns, Sie am 11. April 2025 um 17:00
Uhr im Dom Kultury zur Eröffnung unserer ersten Ausstellung der
Bildenden Kunst und des Kunsthandwerks des Jakob-Böhme-
Bundes einladen zu können.
In Magische Blätter wurden die einzelnen Positionen der Künstler
bereits beleuchtet und ihre Arbeiten dort abgedruckt. Diese erste
Ausstellung des wiederbegründeten Jacob Böhme Bundes soll als
Auftakt für die versammelten Künstler dienen, in einen ersten
gemeinsamen Austausch zu treten zu dem ursprünglichen hohen
Ziel des Jakob-Böhme-Bundes. Joseph Anton Schneiderfranken
schrieb 1921 in seinem Text „Der Jakob-Böhme-Bund” bereits:
„Man war sich von vornherein darüber klar, daß man wohl ein solch
hohes Ziel brauche, daß es aber der hingebendsten Arbeit
mancher Jahre erst vorbehalten sein könne, dieses Ziel auch zu
erreichen! – Da die Arbeit dieser kommenden Jahre aber fruchtlos
werden müßte, geschähe sie sozusagen „hinter dem Rücken des
Publikums”: so ergab es sich von selbst, daß jährliche
Ausstellungen in Görlitz und in den wichtigeren deutschen
Kunstzentren beschlossen wurden, auch um zu zeigen, daß Görlitz
in der Reihe der deutschen Städte, in denen neuere künstlerische
Bestrebungen am Werke sind, durchaus nicht die letzte Stelle
einzunehmen gesonnen sei. –”
Unsere Ausstellung „Wśród Naszych” (Für die Unsrigen) ist dem
Künstler Ronald Steckel gewidmet, der Ende Juni 2024 nach
kurzer, schwerer Krankheit in Berlin im Alter von fast 80 Jahren
verstorben ist und trägt den Untertitel: „In memoriam Ronald
Steckel”. Ronald war ein prägender Ideengeber des Jacob Böhme
Bund, ein Lektor, Mentor, Schriftsteller, Hörbuchautor, Filmemacher
und Multimediakünstler. Sein kreativer Geist, Fleiß, Hilfsbereitschaft
und seine unerschöpfliche geistige Inspiration haben das Schaffen
der Künstlervereinigung über viele Jahre hinweg entscheidend
beeinflusst.

 

Dokumentation: Ein „Almanach der Magischen Blätter 2026” ist angedacht, in dem die Ausstellung in Form eines Kataloges dokumentiert werden soll. Im Jahr 2026 ist der 150. Geburtstag von Joseph Anton Schneiderfranken.

Bô Yin Râ, Asklepieion zu Athen, Öl auf Leinwand, 76 x 86 cm, 1913
Bô Yin Râ, Asklepieion zu Athen, Öl auf Leinwand, 76 x 86 cm, 1913
Darstellung einer Versammlung des Jakob-Böhme-Bundes auf einem Ölgemälde von Fritz Hofmann-Juan aus dem Jahr 1923 mit dem Titel „Bô Yin Râ und sein Kreis”
Darstellung einer Versammlung des Jakob-Böhme-Bundes auf einem Ölgemälde von Fritz Hofmann-Juan aus dem Jahr 1923 mit dem Titel „Bô Yin Râ und sein Kreis”
 

Weitere Informationen auch unter: Verlag der Magischen Blätter

 

 

 

Ohne Wissenschaft Jakob Böhme tief verstehen

 

Ohne Wissenschaft Jakob Böhme tief verstehen

 

Klaus Weingarten Anfang August bei Dreharbeiten in der Nikolaikirche für einen Film über den Jakob-Böhme-Bund der Zwischenkriegszeit um Joseph Anton Schneiderfranken. Foto: Matthias Wehnert

 

Alternativer Text Infobild

 

Im Mittelpunkt der Schaufensterauslage einer Buchhandlung in Zgorzelec: „Böhme“ Foto: Till Scholtz-Knobloch

 

Anlässlich des 400. Todestages von Jacob Böhme am 17. November stellt sich die Frage, wieso trotz eines umfangreichen Programms im Jubiläumsjahr 2024, dem 2025 das Jubiläumsjahr zu seinem 450. Geburtstag folgt, Böhme im Alltag der Stadt Görlitz eher nur am Rande sichtbar ist. Klaus Weingarten versucht Böhme heutige greifbarer zu machen.

Görlitz. Nicht, dass der Name Jacob Böhme öffentlich nicht präsent ist. Hier und da begegnet er einem im touristischen Kontext in der Altstadt. Aber so wie im Falle einer Schlüsselinvestition wie der Elektrifizierung der Bahn hat Polen auch hier wieder einmal die Nase vorn. Gleich hinter der Stadtbrücke in der ulica Pilsudskiego dokumentiert ein Böhme-Band in der Auslage einer Buchhandlung das Interesse am größten Sohn der Stadt, das überhaupt erst einmal in Übersetzung zu erschließen ist. Wenige Schritte weiter am Rondo im. Jakoba Böhme (Jacob-Böhme-Kreisel) trägt eine Hauswand an prominentester Stelle von Zgo-rzelec neuerdings ein riesiges, Böhme gewidmetes, Gemälde.
Ein Tourist, der auf deutscher Seite vom Bahnhof kommend in die Stadt eintritt, stößt dort auf kein eigentlich doch logisches Banner quer über den Bahnhofsvorplatz, das lauten könne: „Willkommen in der Böhmestadt im Böhmejahr“.

Eine Diskussion mit einem hochrangigen Kulturvertreter der Stadt dreht sich um eben dieses Defizit und er meint: „Das Problem ist eben, dass die Schriften an sich schon schwer griffig sind und dann noch den Atem einer früheren Zeit tragen“. Aber ist das nicht gerade das Argument dafür, Böhme viel stärker in unsere Zeit zu holen, anstatt die Fülle der Veranstaltungen in wissenschaftlichen Zirkeln und ihren Echokammern laufen zu lassen? Bereits das Grußwort der Stadt zur Eröffnung des Böhmejahres hatte bei mir den Eindruck erweckt, es sei in weiten Teilen aus einem Grußwort zum Jubiläum eines Sportvereins kopiert worden.

 

Alternativer Text Infobild

Ein neues Wandgemälde am Rondo im. Jakoba Böhme dokumentiert den neuen Stellenwert, der dem Mystiker auf polnischer Seite von Görlitz bereits gebührt. Foto: Till Scholtz-Knobloch

Doch wie greifen wir zu, wenn uns das alles in einem Sprachkleid einer anderen Zeit zufällt und uns Böhme verkündet: „Die Finsternis ist die größte Feindschaft des Lichtes und ist doch die Ursache, dass das Licht offenbar werde“? Aber auch ohne allzu viel Gehirnschmalz lässt sich eine Botschaft wie: „Je eitler der äußere Mensch wird, je dunkler wird der innere Mensch, solange, bis er gar verbleicht“ doch fast schon als ein Motto unserer Tage selbstverliebter Selfie-Kultur – einer Antikultur – ins Heute übertragen.

Böhme-Kenner Klaus Weingarten aus Hannover hatte 2015 für seinen Film „Morgenröte im Aufgang – Hommage à Jacob Böhme“ die 400 Jahre alten Originaltexte sprechen lassen. Dieses Jahr war er wiederholt in Görlitz als Referent, wie auch zu einem neuen Filmdreh und natürlich ist er am Wochenende beim großen Böhme-MemorialFestival dabei. 
Im Rückblick auf die Eröffnung des Böhme-Jahres schrieb er jüngst der Redaktion: „Versuche von Übersetzungen seiner Schriften in unser heutiges Deutsch sind bereits durchgeführt worden. Als ein Beispiel ist in Abwandlung zu der 1730er-Gesamtausgabe Böhmes zum Beispiel die Buchreihe von Gerhard Wehr im Aurum-Verlag zu sehen.“

Louis Claude de Saint-Martin (1743 – 1803), der französische Wiederentdecker Jakob Böhmes im 18. Jahrhundert, habe letztlich eine Linie von Jesus Christus zu Jakob Böhme gezogen. „Was er damit andeuten wollte, führt vielleicht ein Zitat des von 1917 – 1923 in Görlitz künstlerisch und geistig wirkenden Malers und Schriftstellers Joseph Anton Schneiderfranken weiter aus, der unter seinem geistigen Namen Bô Yin Râ in seinem Buch ’Wegweiser’ von 1925 folgende Zeilen veröffentlicht: ’Wer aber Böhmes Schriften wirklich durchforscht hat, — wer es sich Mühe kosten ließ, in ihre Sprache sich einzuleben, — der hat stets auch gelernt, sich vor dem Manne, der solches niederschreiben durfte, in Ehrfurcht zu beugen, und es ist längst bezeugt, daß diese Ehrfurcht sich gerade dort am stärksten einstellt, wo eigener Seele Tiefe aufklingt, sobald die wundersamen Schätze erst ertastet werden, die Jakob Böhmes Weltentiefe in sich birgt (...) Was aber hier ausdrücklich gegeben werden soll, ist die nur aus einer einzigen Quelle erlangbare Darlegung von Böhmes geistiger Herkunft und wurde veranlaßt durch die stets wiederholte Beobachtung, daß auch die besten Erklärer des geistigen Phänomens Jakob Böhme, weder den Menschen restlos zu deuten vermögen, noch die Schriften, solange sie nicht um die Beziehungen Böhmes zu dem geistigen Kreise der ’Leuchtenden des Urlichts’ wissen.“
In diesem Sinne strahle das Werk der historischen Figur Jacob Böhme auf uns heutigen Menschen aus einer fernen Zukunft entgegen und ist für uns wahrscheinlich noch schwieriger verständlich als dem Zeitgenossen Böhmes, vermutet Klaus Weingarten.
Weingarten sieht das Verstehen Böhmes dennoch gerade nicht als etwas Wissenschaftliches an: „Die Schlüssel sind keine intellektuelle Bildung oder eine wissenschaftliche Herangehensweise, wie sie in unserer Gesellschaft weit verbreitet ist, sondern es muss eine bereits ausgeprägte Empfindungsfähigkeit und eine gute Herzensbildung mitgebracht werden, wie sie weniger oft gegeben ist. Böhme bezeichnete diesen Weg als einen Kinderweg.“ Bô Yin Râ (Joseph Anton Schneiderfranken), der mit dem Jakob-Böhme-Bund von 1920 bis 1924 quasi eine künstlerische Empfindungsfähigkeit mit weit überregionaler Strahlkraft in Görlitz führte, habe ergänzt, „dass auf diesem keine ’kindische’, sondern eine ’kindliche’ Weltanschauung gefragt ist. Für alle Menschen, die diese Gemütsverfassung ausgebildet haben, steht Böhme offen, für die anderen bleibt er fremd.“
Und so schlussfolgert Klaus Weingarten: „Ich glaube nicht, dass es an Übersetzungen Böhmes Worte ins heutige Deutsch fehlt, sondern wir eher einen Mangel an gelungenen Anthologien seiner originalen Worte, die in die Kernbotschaften Böhmes einführen, zu beklagen haben. Denn an vielen Stellen drückt er sich in einfachen Worten sehr verständlich aus.“

Und so ist jedem wissenschaftlichem Geschwafel frei, eine Empfindungsfähigkeit und gute Herzensbildung wohl genug, die ewigen Botschaften Böhmes nachzuempfinden. Böhme sagte: „Ich richte niemand, und ist das Verdammen ein falsches Geschwätz.“
In heutiger Zeit mit Thesen absoluter gesellschaftlicher, politischer oder wissenschaftlicher Wahrheit, Hasskommentaren oder Brandmauern bleibt Böhme insofern hochaktuell und erinnert uns daran, dass auch Gottessohn nicht in der bequemen Mitte Anhänger fand, sondern zum Entsetzen der Pharisäer seiner Zeit Huren und Zöllner zur Umkehr führte, obwohl letztere im Römischen Reich die staatliche Lizenz zur Ausbeutung der Massen hatten.

Und so schreibt Böhme in seinem kommenden 450. Geburtsjahr, das zugleich auch das 500. Jubiläumsjahr der Reformation in Görlitz sein wird, manchen Pharisäern unserer Tage fast schon ins Buch des Lebens: „Gott wirft keine Seele weg, sie werfe sich denn selber weg: Eine jede ist sich selbst Gericht.“

TSK / 16.11.2024

 

aus: Alles Lausitz.de Onlinezugriff 17.12.2024

Freitag, 11.April 2025, Ausstellung des neuen Jakob Böhme-Bundes: 

 

Für die Unsrigen - ein Impuls, In Memoriam Ronald Steckel

 

 

 

Eröffnung um 18.30 Uhr, Begrüßung: Frau Barbara Szutenbach (Dom kultury) , Klaus Weingarten, Hauke Johanna Gerdes und Veit-Johannes Stratmann, Ort: Miejski Dom Kultury, ul. Parkowa 1, 59-900 Zgorzelec(Oberlausitzer Gedenkhalle)

 

Samstag, 12. April 2025 um 11 Uhr, Offenes Plenum des Jakob Böhme Bund (keine Beschränkungen zur Teilnahme, die Künstler-innen sind anwesend (Ort: in den Ausstellungsräumen, Dom kultury) Künstlerische Freiheit und Offenheit, frei von den Zwängen eines festen Manifests, prägen sowohl den historischen als auch den heutigen Jacob Böhme Bund. Die präsentierten künstlerischen Arbeiten des im Juli 2020 wiederbegründeten Jacob Böhme Bundes rücken das Kosmische als Rahmen des menschlichen Daseins in den Mittelpunkt oder beleuchten das Verhältnis des Menschen zu Gott. Alle gezeigten Künstler stehen in einer persönlichen Beziehung zu den Schriften von Bô Yin Râ und Jacob Böhme. Diese erste Ausstellung des wiederbegründeten Jacob Böhme Bund soll als Auftakt für die versammelten Künstler dienen, in einen ersten gemeinsamen Austausch zu treten, zu dem ursprünglichen hohen Ziel der Sakralkunst des Jakob-Böhme-Bundes und soll dem Besucher der Ausstellung die verschiedenen Ansätze im Künstlergespräch näher bringen. Das offene Plenum findet in der akademischen Kunsttradition statt, in der auch die historische Künstlervereinigung aus Görlitz ursprünglich gearbeitet hat. Danach Treffen in gemütlicher Runde im Villatoro, Wolności 9, 59-900 Zgorzelec

 

 

 

Samstag, 12. April 2025, 16 Uhr, Vortrag: "Die Struktur in den geistlichen Bildern des Bô Yin Râ, Werdende Welten", ein Lichtbildvortrag von Veit-Johannes Stratmann Der Lichtbild Vortrag beinhaltet eine tiefe Betrachtung über die Wirkungsweise des geistlichen Bildes „Werdende Welten“ des Malers Bô Yin Râ, welches er auf der ersten Ausstellung des Jakob-Böhme-Bundes 1921 in Görlitz einmalig ausstellte. Der Vortrag hat sich zum Ziele gesetzt herauszuarbeiten, warum es sich bei diesem Maler um eine noch unerkannte Größe in der Kunstgeschichte handelt, die auch angesichts von Spitzenleistungen in der bildenden Kunst neue Maßstäbe setzt. Ort: Literaturhaus Alte Synagoge,Langenstraße 24, Eingang Obermarkt 17, 02826 Görlitz, danach Treffen in gemütlicher Runde ab ca. 18:30 oder 19:00 Uhr im Ristorante Da Vinci, Demianiplatz 54, 02826 Görlitz

 

 

 

 

 

Samstag 7. Juni 2025, 11.00-13.00 Uhr: Das Reich der Kunst, eine Veranstaltung des Jakob Böhme Bund. In den Jahren 1919 und 1920 stellte der Gründer des Jakob-Böhme-Bundes, Joseph Anton Schneiderfranken, eine Kunst im Sinne Jacob Böhmes in seinen Kunstessays im „Görlitzer Anzeiger” vor, die 1921 zu seinem Buch „Das Reich der Kunst” vereint wurden. Dieser Textsammlung folgend wollen wir uns dem künstlerischen Wesen des Jakob-Böhme-Bundes und seiner Vorstellung von Sakralkunst annähern. Es ist ein Buch, das nur von der bildenden Kunst handelt, allen Richtungen gerecht wird und zu einer allem echten Streben verstehend gegenübertretenden Kunstbeurteilung führen soll.Ort: Literaturhaus Alte Synagoge, Langenstraße 24, 02826 Görlitz

 

 

 

Samstag 7. Juni, 16 Uhr - 18 Uhr, Film & Filmgespräch: Vorfilm: Evaporation, 2017, 16-mm, 6 min, Der Film „Evaporation“ wurde in Zusammenarbeit von Hauke Johanna Gerdes, Klaus Weingarten und dem 16-mm Film-Labor „Sector 16“ entwickelt. Im Film „Evaporation“ löst sich die Filmschicht eines Zelluloid-Films durch chemische Einwirkungen auf das 16-mm-Trägermaterial für acht Sekunden, was in etwa 192 Einzelbildern entspricht und es entstehen auf diese Weise Zwischenbilder der sichtbaren und unsichtbaren Welt. „Evaporation“ bezeichnet den Übergang von einem flüssigen in einen gasförmigen Aggregatzustand. Morgenröte im Aufgang – Hommage à Jacob Böhme, Deutschland 2015, 82 min., mit polnischen Untertiteln, nootheater & Organisation zur Umwandlung des Kinos, ein Film von Max Hopp, Jan Korthäuer, Ronald Steckel und Klaus Weingarten Kaum eine Figur steht so singulär zwischen den Epochen wie der große »Ungleichzeitige« Jacob Böhme (1575-1624). Während Galilei, Francis Bacon und Descartes die modernen Naturwissenschaften und den Rationalismus begründeten, schuf der Schuhmacher aus Görlitz – trotz Schreibverbot und Verfolgung als Ketzer – die bedeutendsten Schriften der deutschen Mystik. Seine visionäre christliche Theosophie beeinflusste die Philosophen des Deutschen Idealismus sowie Romantiker wie Novalis und fasziniert bis heute. Hermann Hesse schrieb über Böhme, die Lektüre seiner Texte erfordere »ein vorübergehendes ›Leerwerden‹, eine völlig freie Aufmerksamkeit und Seelenstille«. Der Aufgabe, diese Haltung zu erzeugen, stellen sich die Filmemacher in diesem einzigartigen Film, in dem die Ideen und die bildgewaltige Sprache des »ersten deutschen Philosophen« (Hegel) die Hauptrolle spielen. Der Film „Morgenröte im Aufgang” wurde vor zehn Jahren im Gerhart-Hauptmann-Theater in Görlitz uraufgeführt.„Eine Dokumentation darf man nicht erwarten, nicht um das Leben und jene Schwierigkeiten geht es, die Böhmes Sehertum für ihn mit sich brachte, sondern darum, den mystischen Inhalt in Szene zu setzen. Ein geradezu hymnischer Film ist das, der meditativ verfasst ist und meditativ gesehen (und gehört) werden will. Für die Anfangssequenz wurden herrliche Gedanken Böhmes zur Erschaffung Adams, des Ur-Menschen gewählt, sie sind ganz durchzogen von theosophischer, ja anthroposophischer Geistesart, weil sie das Menschentum auf eine höchste Höhe heben. Alle Texte Böhmes werden behutsam und wach gesprochen, und wer dafür empfänglich ist, wird schon nach wenigen Minuten vollkommen in den Bann des immer wiederkehrenden Dreiklangs von Gott, Natur und Mensch gezogen. […] Zwar ist das Zeitalter des Materialismus sicher noch nicht zu Ende, doch fühlt es sich wie ein Vorbote des vorausgesagten Epochenwandels an, das heute ein Film wie dieser möglich ist.” (Jens Heisterkamp, Jakob Böhme - ein deutscher Prophet, 2017) In der Begründung für den „Deutschen Filmgeist Preis 2016” heißt es: „Ihr vielleicht grösster Geist ist den Deutschen fast gänzlich unbekannt. Der Film Morgenröte im Aufgang bringt uns auf ‚erstaunlich-wunderschöne’ Weise (der Freitag) die Magie jener ‚Wundererscheinung in der Geschichte der Menschheit’ (Schelling), des schlesischen Schusters Jacob Böhme nahe. Kein Dokumentarfilm, kein Spielfilm, kein Essay, – eine eigen-artige filmische Verführung zur Erfahrung unserer zweiten Wirklichkeit. Der Film, der ohne jegliche Unterstützung durch staatliche Filmförderung in vierjähriger Arbeit der Filmemacher entstanden ist, mag dem Zuschauer einiges abverlangen und er mag auch nur einem kleinen Publikum zugänglich sein, aber er ist von solch zeitloser Wahrheit, dass er auch noch in 100 Jahren und mehr, wenn alles andere nicht einmal dem Namen nach noch bekannt ist, nichts von seiner Strahlkraft verloren haben wird. Ort: Miejski Dom Kultury, ul. Parkowa 1, 59-900 Zgorzelec(Oberlausitzer Gedenkhalle)

 

 

 

Sonntag 8. Juni 2025, 14 Uhr, 2. Plenum des Jakob Böhme Bundes Ein primäres Ziel des Jakob-Böhme-Bundes (1920-1924) in Görlitz bestand in der Förderung von jungen Künstlern aller künstlerischen Disziplinen. Es galt, das geistige Klima und die bestmöglichen Wachstumsbedingungen für die künstlerische Entwicklung junger Künstler zu schaffen. Der wiederbegründete Jacob Böhme Bund möchte diesen zerrissenen Faden in Görlitz wieder aufnehmen. Der Gründer und Maler Joseph Anton Schneiderfranken stand als fördernder Pate für den jungen Künstler Willy Schmidt zur Seite. Von der Kunstgewerbeschule, an der der zweite Mitbegründer Fritz Neumann-Hegenberg lehrte, wurden die jungen Studenten Walter Deckwarth und Hanns Weikert von ihm in den Jakob-Böhme-Bund geholt. Im Alter von zwanzig Jahren hielt der Musiker Hans Heinz Stuckenschmidt zu der ersten Ausstellung der Bildenden Kunst des Jakob-Böhme-Bundes 1921 den Vortrag „Über das Problem der neuen Musik”. Schon in jungen Jahren setzte sich Ludwig Kunz für das Kulturleben der Stadt Görlitz ein. Er gründete von der literarischen Sektion des Jakob-Böhme-Bundes ausgehend den Kulturkreis „Freie Gruppe Die Lebenden” und gab dazu 1923–1931 das Flugblatt „Die Lebenden” heraus. Der Titel betonte den Gegensatz zu den konservativen Geistern, die sich auf kanonische, verstorbene Künstler beriefen. So war es Leitfaden der Publikation, dass bereits anerkannte Literaten hier junge und talentierte, zuvor noch unbekannte Autoren vorstellten, die somit zugleich ihre ersten Arbeiten publizieren konnten. Das zweite offene Plenum des Jacob Böhme Bundes soll sich der Frage widmen, wie für junge Künstler in Polen und Deutschland wieder ein förderndes geistiges und künstlerisches Klima entstehen könnte, wie dieses vor hundert Jahren in Görlitz bereits schon einmal existierte. Die Veranstaltung richtet sich an junge Teilnehmer, die ihre Ideen einbringen wollen, sowie an Ältere, die Erfahrung und Rat teilen möchten.

 

Sonntag 8. Juni 2025, Letzter Tag der Ausstellung

 

 

13. September 2025, ab 10 Uhr, AVANTGARDE DER SEHNSUCHT - Hörstückreihe zur Mystik von Ronald Steckel, 12:00 Uhr - 14:00, Plenum zum Jakob Böhme Bund "Filmprojekt" auf Gleis 1, ideenfluß e.V., KulTourPunkt Bahnhof Görlitz, Bahnhofstraße 76, 02826 Görlitz, 03581/ 6613838, [email protected], präsentiert von ideenfluss e. V. und Jacob Böhme Bund

 

AVANTGARDE DER SEHNSUCHT - Hörstückreihe zur Mystik von Ronald Steckel, aus dem Buch: „Herz der Wirklichkeit" aus dem Jahr 1973 von Ronald Steckel (1945-2024)

„In jedem Menschen lebt ein Funken schöpferischen Lichts, ein Funken Liebe: das ist sein Erbe. Alles, was die wirklichen Lehrer der Menschheit, wie sie in den Ursprungsideen der Weltreligionen erscheinen, über das geistige Erwachen des Menschen gesagt haben, umkreist diesen Funken: in ihm liegt der Weg des inneren Wachstums, den es zu suchen, zu finden und zu gehen gilt.

 

Durch die ganze Geschichte zieht sich der goldene Faden der Manifestationen dieser allereinfachsten und zentralen Einsicht hin: er erscheint in den Schriften aller Kulturen, bei den Taoisten, den Buddhisten und den Hindus wie bei den Moslems und den Christen, er liegt dem königlichen Weg des Raja-Yoga zugrunde, er leuchtet auf bei den christlichen Mystikern, den Gnostikern, den Sufis, den Alchimisten und den Chassidim, er bewegt sich wie eine unterschwellige Strömung durch alle historischen Entfaltungsstufen der Kultur und des Bewußtseins. Die Fülle der überlieferten Riten und Kulte, der kosmologischen Mythen, der Techniken und Anweisungen der Meditation weist heute noch, selbst in ihrer fragmentarischen und sinnentleerten Gestalt, auf diese geheime Strömung hin, die unabhängig von allen politischen Machtkämpfen und allen institutionalisierten Kirchen durch alle Zeiten fließt. Ob man die Schriften Lao-Tses betrachtet, die Predigten Meister Eckeharts, die Bücher Jakob Böhmes oder die Gedichte Rumis oder des Angelus Silesius, aus allen Worten dieser Schriften vernimmt man einen Klang, eine Stimme, individuell geformt und immer geprägt durch die vorherrschende Bewusstseinsform ihrer historischen Epoche, in ihrer Aussage frei von jeder Zeit, wie ein ewiges Mandala das verborgene innere Königtum des Menschen umkreisend, die innere Verbindung zu dem Reich, das nicht von dieser Welt ist. Eine Stimme, die einfach und leise ist und die vielleicht nur deswegen von so wenigen Menschen überhaupt gehört und aufgenommen wird, weil sie eine Sprache spricht, die weniger das Gehirn als die menschliche Seele berührt. Eine Sprache, die nicht das Sichtbare beschreibt, sondern das Unsichtbare zum Klingen bringt und ausspricht, das Wort in den Wörtern. Eine Sprache, die uns anrührt und zu erinnern versucht. Das größte Böse ist, wenn du vergißt, dass du ein Königssohn bist, sagt ein chassidischer Spruch.”